Welche Sicherheitsstufe muss ein Waffenschrank haben?

Nach dem Gesetz sind derzeit noch Waffenschränke der Sicherheitsstufen A und B erlaubt. Dies könnte sich aber schon in naher Zukunft ändern. Eine neue Gesetzesinitiative sieht vor, ausschließlich Widerstandsgrad 0 und I als Waffenschränke zuzulassen. Waffenbesitzer, die sich vorher noch einen günstigen Waffenschrank B oder A kaufen wollen, sollten daher bald handeln.

Gute Nachricht für Kurzwaffenbesitzer: der Tresor Testsieger, der als einziger mit „sehr gut“ ausgezeichnet wurde, ist auch als Kurzwaffentresor B zugelassen.

Geplante Änderungen des Waffenrechts

Waffenschrank a b mit Innenfach und Gewehrhalterungen
rioblanco © 123RF.com
Waffenschränke der Stufen A u. B könnten bald der Vergangenheit angehören

Die aktuell (Februar 2017) geltenden Aufbewahrungsvorschriften für Waffen sind komplex und nicht immer ganz leicht nachvollziehbar. Sicherlich ein Grund weshalb es immer wieder zu versehentlichen Ordnungswidrigkeiten in dem Bereich kommt. Das haben auch die zuständigen Behörden erkannt.

Deshalb, und um das allgemeine Sicherheitsniveau zu erhöhen, hat die Bundesregierung einen Gesetzentwurf zur Änderung des Waffenrechts („Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Waffengesetzes und weiterer Vorschriften “) erarbeitet und Ende Januar dem Bundesrat zur Stellungnahme übermittelt. In dem Entwurf heißt es in Bezug auf die Sicherheit:

„Die Vorgaben bezüglich der Aufbewahrung von Schusswaffen und Munition sind in Teilen überholt und gewährleisten keinen ausreichenden Sicherheitsstandard“

Ziel sei es:

„(…) das Waffenrecht leichter verständlich und damit besser anwendbar zu machen (…)“

Daher sieht der Entwurf vor, künftig nur noch Waffenschränke der Widerstandsgrade 0 und I anzuerkennen, die Sicherheitsstufen A und B dagegen nicht mehr zuzulassen. Das Resultat ist eine stark vereinfachte Regelung für die Aufbewahrung von Waffen.

Gesetzesänderungen Waffenschränke betreffend

Der Entwurf sieht folgende neue Regelungen für die Waffenaufbewahrung vor:

Waffenschrank Typ Langwaffen Kurzwaffen Munition
Waffenschrank
Widerstandsgrad 0
(<200kg)
in unbegrenzter
Anzahl
bis zu 5 im Schrank ohne
räumliche Trennung
Waffenschrank
Widerstandsgrad 0
(>200kg)
in unbegrenzter
Anzahl
bis zu 10 im Schrank ohne
räumliche Trennung
Waffenschrank
Widerstandsgrad I
in unbegrenzter
Anzahl
in unbegrenzter
Anzahl
im Schrank ohne
räumliche Trennung

Quelle der Daten: „Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Waffengesetzes und weiterer Vorschriften

Da der Aufwand für Waffenbesitzer, sämtliche Waffenschränke der Stufen A und B durch solche der Widerstandsgrade 0 und I zu ersetzen sehr hoch wäre, enthält der Gesetzentwurf auch eine „Besitzstandsregelung“. Das heißt, derzeitige Waffenbesitzer sollen von der neuen Regelung ausgenommen werden. Wer also bereits einen Waffenschrank A oder B besitzt, muss diesen nicht ersetzen. Die Gesetzesänderung würde nur Neuanschaffungen betreffen.

Waffenbesitzer, die sich noch einen vergleichsweise günstigen Waffenschrank A / B kaufen wollen, sollten daher vor dem Inkrafttreten des Gesetzes aktiv werden. Das Gesetz soll noch vor der Sommerpause 2017 verabschiedet werden .

Die aktuellen Aufbewahrungsvorschriften für Waffen

Derzeit heißt es im § 36 Abs. 1 WaffG unter anderem:

„Wer Waffen oder Munition besitzt, hat die erforderlichen Vorkehrungen zu treffen, um zu verhindern, dass diese Gegenstände abhandenkommen oder Dritte sie unbefugt an sich nehmen. Schusswaffen dürfen nur getrennt von Munition aufbewahrt werden, sofern nicht die Aufbewahrung in einem Sicherheitsbehältnis erfolgt, das mindestens der Norm DIN/EN 1143-1 Widerstandsgrad 0 (…) entspricht“

Wichtig: Dies gilt auch für den (Ehe-)Partner und andere im Haushalt lebende Personen. Es darf also ausschließlich der berechtigte Besitzer Zugang zum Waffentresor haben.

und im §36 Abs. 2:

„Schusswaffen (…) sind mindestens in einem der Norm DIN/EN 1143-1 Widerstandsgrad 0 (…) entsprechenden oder gleichwertigen Behältnis aufzubewahren; als gleichwertig gilt insbesondere ein Behältnis der Sicherheitsstufe B nach VDMA (…) 24992 (Stand Mai 1995). Für bis zu zehn Langwaffen gilt die sichere Aufbewahrung auch in einem Behältnis als gewährleistet, das der Sicherheitsstufe A nach VDMA 24992 (…) entspricht. “

Zusammengefasst: nach aktuellem Gesetz sind Stahlschränke der Stufen A und B zulässig. Passende Munition dazu, muss gesondert aufbewahrt werden. Damit man Waffen und Munition dennoch zusammen aufbewahren kann, sind viele Waffenschränke der Stufen A und B mit einem verschließbaren Innenfach ausgestattet. Die sogenannte „Überkreuzaufbewahrung“ von Munition ist dabei erlaubt. D.h. Waffen und nicht dazugehörige Munition dürfen gemeinsam gelagert werden. In Waffentresoren der Widerstandsgrade 0 und I dagegen ist die Lagerung der zugehörigen Munition ohne räumliche Trennung, d.h. ohne Innenfach, erlaubt.

Da der Waffenbesitzer den alleinigen Zugang sicher zu stellen hat, ist ein Waffentresor mit Zahlenschloss empfehlenswert. So gibt es keinen Schlüssel, der in die falschen Hände gelangen könnte – besonders bei Kindern im Haushalt ein wichtiger Aspekt.

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Die genauen Anforderungen an die technischen Spezifikationen, insbesondere die erforderlichen Widerstandsgrade, sind in den §§ 13 und 14 „Allgemeine Waffengesetz-Verordnung“ (AwaffV) geregelt.

Waffentresore – Sicherheitsstufen / Widerstandsgrade

Aufbewahrung erlaubnispflichtiger Waffen:

Anzahl / Art der Waffen Waffenschrank Munition
Kurzwaffen
Bis 5 Kurzwaffen Sicherheitsstufe B
(VDMA 24992)
nur mit räumlicher Trennung zulässig
(z.B. abschließbares Innenfach)
Widerstandsgrad 0/N
(EN 1143-1)
Munitionslagerung im Schrank
ohne räumliche Trennung
Bis 10 Kurzwaffen Sicherheitsstufe B
(VDMA 24992)
Gewicht über 200 kg
nur mit räumlicher Trennung zulässig
(z.B. abschließbares Innenfach)
Widerstandsgrad 0/N
(EN 1143-1)
Gewicht über 200 kg
Munitionslagerung im Schrank
ohne räumliche Trennung
Mehr als 10 Kurzwaffen
(unbegrenzt)
Widerstandsgrad I
(EN 1143-1)
Munitionslagerung im Schrank
ohne räumliche Trennung
Langwaffen
Bis zu 10 Langwaffen Sicherheitsstufe A
(VDMA 24992)
nur mit räumlicher Trennung zulässig
(z.B. abschließbares Innenfach)
Mehr als 10 Langwaffen
(unbegrenzt)
Sicherheitsstufe B
(VDMA 24992)
nur mit räumlicher Trennung zulässig
(z.B. abschließbares Innenfach)
Widerstandsgrad 0/N
(EN 1143-1)
Munitionslagerung im Schrank
ohne räumliche Trennung
Jägerschränke
Bis zu 10 Langwaffen
und 5 Kurzwaffen
Sicherheitsstufe A
(VDMA 24992)
mit Innenfach der
Sicherheitsstufe B
(VDMA 24992)
Kurzwaffen und Munition müssen im
Innenfach aufbewahrt werden

Quelle der Daten: Polizei NRW

Damit der Waffentresor tatsächlich seine zertifizierte Sicherheitsstufe erreicht, ist die
fachgerechte, entsprechend den Hersteller Anweisungen durchgeführte, Tresorverankerung unerlässlich.

Waffenschränke der Stufe A / B

Bemerkenswert an den Sicherheitsanforderungen ist, dass das Gesetz bis dato die Sicherheitsstufe B mit dem Widerstandsgrad 0/N gleichstellt. Die Zertifizierungsstellen der VdS Schadenverhütung GmbH (VdS) und des European Certification Body (ECB-S) dagegen haben sich bereits 2004 von den Stufen A und B verabschiedet, da sie als veraltet galten. Diese werden seither nicht mehr unabhängig getestet und bieten somit keinen geprüften Aufbruchschutz. Aufgrund der mangelnden Überprüfung, besteht für Stahlschränke dieser Sicherheitsstufen auch keine Versicherungsempfehlung mehr.

Wenn man sich einen günstigen Waffenschrank kaufen will, der versicherbar ist, sollte man daher darauf achten, dass er zusätzlich zur Stufe A oder B auch eine Zertifizierung als Sicherheitsschrank der Stufe S1 bzw. S2 hat. Diese sind nach EN 14450 unabhängig geprüft und es werden Deckungssummen von 5.000 bzw. 20.000 Euro empfohlen. Das kann interessant sein, wenn man vorhat neben Waffen gelegentlich auch Wertgegenstände im Waffenschrank zu verwahren.

Der neue Gesetzentwurf sieht weder die Stufen A und B noch S1 und S2 für Waffenschränke vor. Wer allerdings zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes bereits einen solchen Waffenschrank besitzt, der soll nach den derzeitigen Plänen diesen Schrank auch weiterhin nutzen dürfen.

Waffenschrank 0 oder 1 – zusätzliche Sicherheit

Beim Kauf eines Waffentresors kann es also eine gute Idee sein sich gleich für ein Modell zu entscheiden, das nach EN 1143-1 zertifiziert ist, mit einem Widerstandsgrad 0 oder I. Eine höhere Sicherheitsstufe schlägt sich zwar im Preis nieder – dafür ist die Aufbruchsicherheit deutlich höher. Ein Waffentresor mit Widerstandsgrad I ist ein Wertschutzschrank und nach Empfehlung des ECB-S bis zu 65.000 Euro versicherbar. Er kann also auch anderweitig als Safe genutzt werden. Beispielsweise können so zur Urlaubszeit teure Digitalgeräte und andere Wertgegenstände sicher verwahrt werden.

Ein zusätzlicher Vorteil bei Langwaffenschränken sind dabei die großzügigen Innenmaße, im Vergleich zu Möbeltresoren oder Wandsafes. Ein größerer Laptop oder eine Spiegelreflexkamera mit Ausrüstung haben problemlos Platz.

Ein anderer überlegenswerter Aspekt ist der Wiederverkaufswert. Ein Waffentresor 0 oder I wird auch nach der möglichen Gesetzesänderung noch verkaufbar sein. Dagegen wird es für einen Waffenschrank A oder B kaum noch Abnehmer geben.

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Wie wird die Einhaltung der Vorschriften kontrolliert?

Die gesetzeskonforme Aufbewahrung der Schusswaffe(n) ist gemäß § 36 Abs. 3 WaffG der zuständigen Behörde nachzuweisen. Dieser Nachweis kann in Form einer Rechnung erfolgen, sofern daraus eindeutig ersichtlich ist, dass der Waffenschrank den gesetzlichen Anforderungen entspricht.

Eine unsachgemäße Aufbewahrung birgt die Gefahr, dass die Waffe in falsche Hände gelangt, weswegen die Einhaltung der Vorschriften streng überwacht wird. Die zuständige Behörde ist berechtigt, zu diesem Zweck unangemeldete Kontrollbesuche durchzuführen, auch ohne konkretes Verdachtsmoment. Der Waffenbesitzer hat in dem Fall Zugang zu dem Ort, an dem die Waffe(n) gelagert sind zu gewähren. Zwar kann er den sofortigen Zugang verweigern ohne eine Zwangsdurchsuchung befürchten zu müssen (aufgrund Artikel 13 Abs. 1 GG; Unverletzlichkeit der Wohnung), allerdings wird die erforderliche Zuverlässigkeit (§ 5 WaffG) des Waffenbesitzers angezweifelt, was zum Verlust der Waffenbesitzkarte führen kann.

Ein Verstoß gegen die Aufbewahrungsvorschriften aus Fahrlässigkeit stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einer Geldbuße bis zu 10.000 Euro geahndet wird. Wird hingegen vorsätzlich dagegen verstoßen und dadurch die Gefahr verursacht, dass Waffen und/oder Munition abhandenkommen können, stellt dies eine Straftat dar, die mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder entsprechender Geldstrafe geahndet wird.

Waffenschrank kaufen: Stufe A/B oder Klasse 0/1?

Wer von der Besitzstandsregelung Gebrauch machen will, sollte sehr bald – noch vor der geplanten Gesetzesänderung – aktiv werden. Nicht wenige Waffenbesitzer werden mit dem Gedanken spielen, sich noch rechtzeitig einen Waffenschrank B oder A zu kaufen, Zugleich werden die Hersteller die Produktion dieser Modelle drosseln, da der Absatz nach Inkrafttreten des Gesetzes vermutlich sehr schwierig werden wird. Wenn man sich günstig einen Waffenschrank B (bzw. A) kaufen will, dann ist jetzt ein guter Zeitpunkt.

Wenn man anderseits für seinen Waffenschrank gerne ein (großes) Plus an Sicherheit hätte – sei es um seine Waffen gut verschlossen zu wissen oder um zusätzlich andere Wertgegenstände zu verwahren – sollte man sich einen Waffenschrank 0 (oder I) kaufen. Diese sind de facto Wertschutzschränke und wesentlich höher versicherbar. Wenn man sowieso überlegt sich einen Tresor zuzulegen, beispielsweise um beruhigter in den Urlaub fahren zu können, dann kann ein Langwaffentresor mit Widerstandsgrad 0 oder I eine geräumige Alternative sein.

Egal für welche Sicherheitsstufe man sich entscheidet: einige Ratschläge bleiben immer gleich:

  • ein elektronisches Zahlenschloss ist zu empfehlen
  • an den zu erwartenden künftigen Platzbedarf denken (z.B. für Neuanschaffungen)
  • Langwaffenbesitzer sollten zudem auf die Einstellhöhe achten, auch im Hinblick auf geplante künftige Zukäufe

Es bleibt abzuwarten, ob und in welcher Form die Gesetzesänderung kommen wird. Letztlich läuft es bei der Entscheidung für einen Waffenschrank darauf hinaus:

Stufen A oder B: günstig, mit wenig Sicherheit

Widerstandsgrad 0 oder I: etwas höhere Kosten, höhere Sicherheit, besserer Wiederverkaufswert

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Eine Liste zertifizierter, „zukunftssicherer“ Waffentresore ist in Arbeit. Kommen Sie bald wieder vorbei!

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